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Folgen kommerzieller Obstbaumzucht

Entwicklung der kommerziellen Obstbaumzucht

Wir kaufen Äpfel, Birnen und anderes Obst heute in Supermärkten. Von der Herkunft wissen wir meist nur das Land. Wir dürfen uns zwischen Gala, Elstar und Golden Delicious entscheiden und ob wir einen knackigen roten Apfel kaufen oder den mit den komischen Punkten. Meist kaufen wir den roten. Wir können vor dem Kauf die Äpfel nicht probieren. Ob sie gut oder schlecht schmecken beeinflusst, ob wir uns über das Obst freuen oder nicht, aber es beeinflusst kaum, ob es sich gut verkauft. Also warum sollte die Industrie, die meist unter wirtschaftlichem Druck steht Äpfel auswählen, die besonders gut schmecken? Was zählt sind Erträge und das sich das Obst gut verkaufen lässt. Zum Ertrag zählt auch, dass alle Früchte gleichzeitig reifen und auch ähnlich groß sind. Denn dies erleichtert die maschinelle Ernte, Verarbeitung und erlaubt den Verkauf als „teures“ Tafelobst. Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten ist nicht sehr relevant, da es auf großen Plantagen kein großes Problem ist, die Bäume zu spritzen. Entsprechend liegt der Fokus dann bei der Obstbaumzucht.

Der „perfekte“ Obstbaum

Wenn ich einen perfekten Obstbaum beschreiben soll würde das etwa so aussehen: „schmackhafte Früchte, widerstandsfähig gegenüber Krankheiten, Anspruchslos gegenüber Standort,  Boden, Trockenheit, usw…“ So einen Baum würde ich in meinen Garten pflanzen. (Um ehrlich zu sein, habe ich genau das bereits getan) Das sind ungefähr die Eigenschaften, die oben gerade nicht genannt sind.

Die Folgen

Offensichtlich gibt es Obstsorten, die für die Industrie gut geeignet sind und Sorten, die für den Hausgarten gut geeignet sind. Vergleichen wir einmal die beiden Märkte. Wieviel Geld geben wir für Obstbäume aus? Und zwar gezielt für die, welche genau unseren Ansprüchen genügen? Viele Menschen geben gar nichts dafür aus, weil sie gar keinen Garten haben. Wieviel geben wir dagegen aus für Obst, Obstsäfte, auf Obst basierende Nahrungsmittel und Produkte, welche nach Obst duften? Es sollte schnell klar sein, dass letztere Industrie viel größer ist und deshalb den Markt dominiert. Mit anderen Worten, es gibt viel mehr Industrieobstbäume als Hausobstbäume und es werden auch viel mehr gezüchtet und gehandelt. Als Folge davon machen sich viele Menschen Sorgen um unsere Hausobstsorten. In der Obstbaumzuch spielen sie eine untergeordnete Rolle. Schon jetzt ist es oft schwierig Bäume zu kaufen, die zum lokalen Klima passen, wohlschmeckende Früchte haben und robust sind. Ich habe es ausprobiert.

„An apple a day keeps the doctor away“

Das alte Sprichwort zeigt dass Äpfel den Ruf haben besonders gesund zu sein. Recherchiert man etwas über kommerziellen Obstanbau so kommen einem da die Zweifel. Angeblich 15mal pro Jahr werden die Bäume gespritzt. Einige werden vor dem Verkauf eingewachst. Da kann man dann auch das Wachs mitessen. Ich denke immer noch, dass Äpfel aus dem Supermarkt gesund sind. Anderes Obst und Gemüse wird wahrscheinlich genauso gespritzt. Nur unser Obst könnte viel gesünder sein, wenn auf das Spritzen verzichtet werden würde. Das ist möglich, wenn robustere Sorten verwendet werden. Leider ist das nicht einmal beim Bioobst der Fall.

Was tun?

Die Lebensmittelindustrie hat sich nicht zufällig so entwickelt. Sie bietet das an was wir kaufen wollen. Das sind schöne, knackige, rote Äpfel. Viele Äpfel sind weder voll rot noch makellos. Hier wurden gezielt Farben ausgewählt und Pflanzenschutzmittel bewahren unser Obst vor unschönen Punkten. Mittlerweile ist es schon so weit, dass robustere Sorten und „beflecktes“ Obst in den Supermärkten nicht mehr vorhanden ist. Man muss es wenn dann auf dem Markt kaufen. Selbst hier habe ich mich schwer getan etwas anderes als Industriesorten zu finden. Ich denke, wir müssen uns langsam umgewöhnen und Obst nach Herkunft und Sorten auswählen statt nach Aussehen. Das hat auch den Vorteil, dass es besser schmeckt. Das Aussehen hat wenig mit dem Geschmack zu tun – die Sorte schon. Robustere Sorten, die es noch in den Läden gibt sind zB Topaz und Pinova. Den Topaz habe ich auch in meinem Garten (siehe Bild)

Diesen Apfelbaum habe ich in meinen Garten gepflanzt. Hoffentlich sind die Sorten robust. Aus den Märkten kenne ich bis jetzt nur den Topaz.
Diesen Apfelbaum habe ich in meinen Garten gepflanzt. Hoffentlich sind die Sorten robust. Aus den Märkten kenne ich bis jetzt nur den Topaz.

Einige von uns haben einen Garten und denken darüber nach einen Obstbaum zu pflanzen. Dieser Baum soll Jahrzehnte stehen und in dieser Zeit viele Früchte liefern. Also am besten investiert man etwas Zeit in die Auswahl. Eine Suche nach „alten Obstsorten“ liefert einige Ergebnisse. Diese Sorten waren berühmt als es für Obst wichtig war gut zu schmecken und zumindest in den Hauptregionen anspruchslos zu sein. Hier findet man sicher ein paar gute Sorten für den Hausbaum und hat bestimmt mehr Freude daran, als einer Industriesorte, die man im Baumarkt gekauft hat. Hoffentlich findet man auch eine gute Baumschule, die dann einen Baum hat. Zur Sortenrecherche ist die Arche Noah in Österreich eine sehr gute Anlaufstelle.